Wolters Partner |Generationenpark Brünninghausen Dortmund

1. Preis

Städtebaulicher Entwurf für den Generationenpark Brünninghausen, Dortmund

Dortmund, 2017

01

 

Der AWO Bezirksverband Westliches Westfalen e.V. beabsichtigt, im Dortmunder Stadtbezirk Hombruch, Ortsteil Brünninghausen auf einem insgesamt 32.561 qm großen Gelände einen Generationen-Wohnpark zu realisieren. Geschaffen werden sollen zusätzliche Pflegeplätze in einer Erweiterung der vorhandenen stationären Einrichtung, darunter Wohngruppen für die „Junge Pflege“ und gehörlose Bewohner öffentlich geförderte Kleinstwohnungen für 1-2 Personen, frei finanzierte Wohnungen unterschiedlicher Größe und Eigentumswohnungen sowie  eine Kindertageseinrichtung. Zurzeit existieren auf dem Gelände ein Seniorenzentrum sowie mehrere Häuser mit Altenwohnungen, die bis auf das Heinrich-Böll-Haus abgerissen werden sollen.
Gesucht sind Konzepte für eine nachhaltige und städtebaulich angemessene Bebauung, die sich in die vorhandene Struktur einfügt. Mit der Entwicklung des Areals soll eine Stärkung seiner Bedeutung als Wohn- und Begegnungsort im Quartier einhergehen.

Städtebaulicher Entwurf und Freiraumkonzept
Für den geplanten Generationen-Wohnpark schlagen wir eine städtebauliche Grundordnung aus „Höfen“ vor, die sich versetzt zu einem mittig liegenden Grünraum öffnen. Hierdurch entsteht ein lebendiges Bild aus geschützten Höfen, Plätzen und Grünräumen.

Der Übergang vom privaten Freiraum über den halböffentlichen zum öffentlichen Freiraum erfolgt stufenweise, so dass die Bewohner wählen können, in wieweit sie am Quartiersleben teilnehmen wollen. Private Terrassen, Balkone oder Loggien bieten Raum für den privaten Rückzug. Mietergärten innerhalb einiger Höfe dienen den Bewohnern der oberen Geschosse zum privaten gärtnern. Halböffentliche grüne Höfe mit aufgeweiteten befestigten Plätzen in den Eingangsbereichen der Gebäude sind für die „Hofbewohner“ vorgesehen und schaffen Raum für nachbarschaftliche Kommunikation.  

Die zentrale Grünachse verknüpft alle Höfe miteinander. Das nördlich liegende Heinrich-Böll-Haus mit einem neu angebauten Café und Caféterrasse sowie die südliche Kindertagesstätte mit einem gestalteten Vorplatz bilden die Endpunkte der Grünachse.

In die Grünachse schieben sich zwei Plätze, die Bewohnern und Besuchern Raum zum Treffen und Verweilen bieten sollen. Der nördliche Platz ist durch ein kleines Begegnungszentrum geprägt. Die Bewohner finden hier wetterfeste Räume zum treffen, klönen und für gemeinsame Aktivitäten. Für jüngere Bewohner können auch Möglichkeiten für Beschäftigung, Sport und Spiel angeboten werden wie z.B. Kicker oder Billard. Auch Räumlichkeiten für soziale Arbeit und Beratung können untergebracht werden. Der südliche Platz beherbergt einen kleineren Pavillion als Schutz vor Regen und Sonnen. Durch flexible platzierbare Stühle und Tische können Sitzgruppen variabel genutzt werden. Zwischen diesen beiden befestigten Plätze schiebt sich ein Mehrgenerationen-Spielplatz in die Grünachse, der für Kinder, Jugendliche aber auch für ältere Bewohner Möglichkeiten zum bewegen, trainieren und spielen anbieten soll.

Erschließung
Die Erschließung des Quartiers erfolgt von der Mergelteichstraße aus. Von hier aus ist die Kita und das Mutter-Kind-Haus zu erreichen sowie der Großteil der erforderlichen Stellplätze für Besucher und Bewohner des Quartiers. Die Stellplätze werden entlang der östlichen Plangebietsgrenze zur Bahnstrecke angeordnet. 8 Stellplatzgruppen mit je 14 Stellplätzen (insgesamt 112 Stellplätze), die jeweils eingegrünt sind, schaffen eine übersichtliche Parkordnung. Insgesamt werden im Gebiet 128 oberirdische und ca. 75 Tiefgaragen-Stellplätze untergebracht.

Die Erschließungsstraße wird für den motorisierten Individualverkehr im Mischprinzip als Sackgasse ausgebildet. Müllfahrzeuge dürfen die Mittelachse auf einem kurzen Stück befahren, um ein Wenden der Fahrzeuge zu vermeiden und auch die westlichen Wohnhöfe zu versorgen. Alle weiteren Verbindungen sind als Fußwege geplant. Durch mehrere Ost-West-Wege, die in die mittige Achse münden, ist das Quartier durchlässig, gut vernetzt und optimal an den westlich liegenden Fußweg angebunden.

Das Heinrich-Böll-Haus wird weiterhin von der Straße „Am Bahnhof Tierpark“ erschlossen. Von hier aus erfolgt auch die Anlieferung entlang des neuen westlichen Anbaus.

Bebauung und Nutzung
Die Bebauung ist weitestgehend dreigeschossig. Am südlichen Rand des Gebietes an der Mergelteichstraße wird ein viergeschossiger Gebäuderiegel vorgesehen. Des Weiteren werden drei Gebäude der östlichen Höfe mit einem viergeschossigen Kopfbau eingeschoben, welche die Grünachse akzentuieren. Der Café-Anbau des Heinrich-Böll-Hauses sowie das Begegnungszentrum sind eingeschossig. Alle Gebäude sind mit einem begrünten Flachdach geplant, um den grünen Charakter des Quartiers zu stärken.

Das Heinrich-Böll-Haus wird durch zwei Anbauten ergänzt. Im Westen wird ein dreigeschossiger Anbau vorgeschlagen, in dem im Erdgeschoss die neue Küche sowie Verwaltungsräume untergebracht werden. In den beiden Obergeschossen gruppieren sich jeweils 15 Pflegezimmer um zwei Gemeinschaftsbereiche. Die Erschließung des Anbaus erfolgt durch zwei Erschließungskerne im Norden und Osten. Ein zweiter eingeschossiger Anbau an der Südseite des Heinrich-Böll-Hauses ergänzt den heute hier liegenden Speisesaal. Durch die größeren Flächen können auch Räumlichkeiten für größere Veranstaltungen ermöglicht werden. Die innere Raumorganisation des Bestandsgebäudes kann so organisiert werden, dass sich das neue Café und ein neuer Erschließungsbereich in die bestehende Struktur einfügt.

Das Konzept sieht vor, die Pflegeplätze in drei Wohngruppen aufzuteilen. Die erste Wohngruppe befindet sich wie erwähnt im Anbau des Heinrich-Böll-Hauses. Zwei weitere Wohngruppen werden in jeweils eigenen Gebäuden untergebracht, die sich in den beiden Wohnhöfen im Westen des Plangebiets befinden. Auf drei Ebenen bilden jeweils zehn Zimmer eine Wohngemeinschaft. Gemeinschaftsräume auf jeder Ebene stehen den Bewohnern zur Verfügung. Jede Wohngruppe ist Teil eines Hofes, der aus insgesamt drei Gebäuden besteht. In den weiteren zwei Gebäuderiegeln sind öffentlich geförderte Kleinstwohnungen für 1 bis 2 Personen angesiedelt. Grob geschätzt können ca. 54 öffentlich geförderte Wohnungen realisiert werden.

Östlich der mittigen Grünachse gruppieren sich drei Höfe, die weitgehend für den frei finanzierten Wohnungsbau vorgesehen sind. Gemischte Wohnungsgrößen ergeben eine Zahl von ca. 70 Wohneinheiten. Es ist davon auszugehen, dass diese Bewohner über ein Auto verfügen, daher sind diese Wohnungen in der Nähe der Stellplätze angeordnet.

Den südlichen Abschluss des Plangebiets bildet ein Hof für Eigentumswohnungen. Die erforderlichen Stellplätze werden in einer Tiefgarage untergebracht. In den Gebäuderiegeln können ca. 51 Wohnungen in unterschiedlichen Größen geplant werden.

Baustufenkonzept
Das neue grüne Quartier lässt sich aufgrund der Hofstruktur in mehrere Bauabschnitte einteilen. Wir schlagen vor, im ersten Bauabschnitt die Anbauten an das Heinrich-Böll-Haus sowie den ersten nordwestlich gelegenen Hof zu realisieren. Die Baustelle kann von der Straße „Am Bahnhof Tierpark“ bedient werden. Ebenfalls sollte im ersten Bauabschnitt das Blockheizkraftwerk im Süden des Gebietes erreichtet werden, um alle neuen Gebäude direkt an die neue Infrastruktur anschließen zu können.

Im zweiten Bauabschnitt kann der westlich anschließende Hof errichtet werden. Die Baustelle wird von Süden her erschlossen, um im nördlichen Teil Beeinträchtigungen durch Baustellenverkehr zu vermeiden.

Danach sollte sukzessive der östliche Teil mit der neuen Erschließungsstraße errichtet werden. Hierdurch kann die Baustellenzufahrt unabhängig von der bestehenden Erschließung sicher gestellt werden. Zudem werden die bereits fertig gestellten nördlichen Gebäude nicht von der Baustelle beeinträchtigt.

Den Abschluss bildet der südliche Hof für Eigentumswohnungen, so dass das bestehenden Haus 8 mit der zentralen Versorgung der Bestandsgebäude so lange wie möglich erhalten bleibt.